Absurdistan, dritte Runde

Im Nachklapp zu den beiden »Absurdistan«-Beiträgen von August und vorgestern gibt es jetzt eine dritte Runde: Zu meiner Überraschung rief mich die Abteilung Pflege der Krankenversicherung zurück. Offenbar wurde intern aufgrund meiner zahlreichen Nachfragen die nächste Verantwortungsebene informiert und in Marsch gesetzt. Soweit, so gut. Oder auch nicht: Denn während des Telefonats – Sachverhaltsschildung die drölfte, grmbl – stellte sich nicht nur heraus, dass mein Hinweis, ich sei telefonisch aufgrund mehrerer Kundentermine nicht erreichbar, komplett ignoriert wurde, sondern dass auch wichtige Unterlagen für mich verschollen sind.

»Sie haben ja als pflegende Angehörige auf unseren Fragebogen nicht reagiert.« Ähm, wie bitte, welcher Fragebogen?? »Wir schicken den eingetragenen pflegenden Angehörigen einen Fragebogen, um die Rentenpunkte für Sie zu ermitteln und zu klären. Haben wir schon zweimal geschickt, Sie haben ja nicht reagiert, deswegen haben wir das nicht weiter verfolgt.« Wie bitte? Wie soll ich denn auf irgend etwas reagieren, wenn ich keinerlei Kenntnis davon habe und die Schreiben nicht erhalten habe?? »Oh.«

Bitte klären Sie das so schnell wie möglich. »Wir schicken das direkt nochmal per Post.« Können Sie machen. Bitte auch direkt das Gutachten, vielen Dank. Lieber wäre es mir, dafür das elektronische Postfach zu nutzen, das mittlerweile endlich – nach 8 Wochen bereits – freigeschaltet ist. Bevor Sie fragen: Mit Zwei-Faktor-Authentifizierung und allem Drum und Dran. »Haben Sie eine Vollmacht Ihrer Mutter?« (Ich kurz vorm Schreikrampf, um Höflichkeit bemüht…) Die liegt Ihnen seit August 2023 vor, zusätzlich sind Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung bei Ihnen hinterlegt. Und ich habe vorgestern sämtliche aktuellen Vollmachtformulare von Ihrer Website heruntergeladen, ausgefüllt und von meiner Mutter und mir sowohl via Postfach als auch per Post an Sie geschickt.

»Haben Sie das Postfach richtig konfiguriert?« Ja, verdammt nochmal. Zwei aktuelle Abrechnungen von Ihnen haben es als PDF bereits zu mir geschafft ab Freischaltungsdatum. Das Postfach funktioniert also einwandfrei. »Ach so. Haben Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert? Ohne die können Sie nix runterladen.« Ja, hab ich. Mein zweiter Vorname ist Nerd, Systemsicherheit ist mein Fetisch. »Ähm. Ja, dann stelle ich Ihnen die fehlenden Unterlagen nochmal parallel via Postfach bereit. Sollte heute im Lauf des Tages abrufbar sein. Wir melden uns auf jeden Fall morgen telefonisch nochmal, ob alles angekommen ist.« Wären Sie so freundlich, nach 11 Uhr anzurufen und das bitte diesmal NICHT zu ignorieren? Ich habe einen Kundentermin vormittags und bin erst ab 11 Uhr wieder telefonisch erreichbar. »Selbstverständlich.« (So, so … schau’n wir mal.)

Was soll ich sagen: Im elektronischen Postfach stehen seit heute Nacht sage und schreibe 8 Nachrichten mit identischem Betreff – auf die ausstehenden Dokumente bezogen, nur leider ohne jegliche Dateianhänge. Hellhörig geworden, habe ich dann einen Blick in eine weitere elektronische Abteilung getan; die geklärten Pflicht-Beratungstermine nebst Daten von Gutachten im »Pflege-Dashboard« sind allesamt fehlerhaft, falsch, unvollständig. Ich freue mich schon mal auf das Telefonat mit der Sachbearbeiterin, die vermutlich ihre Vorgesetzte auf mich ansetzen wird: Adrenalin auf 195, ich geh jetzt eine Runde Eisen stemmen zum Abreagieren.

»Hast Du einen Scheiß-Prozeß und machst ihn digital, dann ist es halt ein digitaler Scheiß-Prozeß.«

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Barbara

    OMG 😡 Respekt für deine Beherrschung!

  2. Hildegard Schiffer

    Da kann ich nur sagen: Puh 😮‍💨

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