• Gartennotizbuch (01)

    Nützlinge im naturnahen Garten: In großer Zahl sind dieses Jahr Marienkäferlarven bei der Arbeit – die kleinen Tierchen mit der auffälligen, schwarz-orangefarbenen Farbgebung vertilgen gefühlt kiloweise Blattläuse*. Was mich zu Beginn des Knospenaustriebs an meinen Rosen nervte, erledigt sich dank solcher fleißigen Helfer von selbst. Die ersten leeren Larvenhüllen sind an manchen Stellen zu finden, an vielen Blattunterseiten hängen Puppen der Marienkäfer, auch die ausgewachsenen Tiere machen sich mit großem Appetit über die zahlreichen Blattläuse her. Zwischen Kräutern, Salat und Rosen finden sie ausreichend Futter – und die naturnahe Gartenpflege ohne Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel klappt prima. Das entschädigt für die Mengen an Marienkäfern,…

  • Strolling …

      The chance of great discoveries, of photography »just for fun« and just for the preciousness of a volatile moment of thought, perception and observation is one of the great gifts life is offering day by day. Different people with different concepts come to my mind: Saul Leiter’s »In no great hurry« as well as Sten Nadolny’s «Discovery of Slowness« or Marcel Proust’s »In Search of Lost Time«. A thousand reasons to enjoy the composition of light and colors, of blurred people in a hurry and a cup of coffee.   »The inevitable is what will seem to happen to you purely by…

  • Perspektiven…

      Inmitten aller schrecklichen Bilder und Nachrichten bin ich froh, dankbar und glücklich, immer wieder Schönes und Heiteres fotografieren zu dürfen. Es hält mich zusammen, sozusagen. Und vielleicht schärft die Begegnung mit dem Schrecken auch den Blick für die kleinen Dinge, für das Licht, die Farben, für Anmut und Eleganz.   Eine Perspektive, die ich zu bewahren hoffe, weil sie mich durch Angst, Dunkelheit und Trauer trägt.  

  • Erinnerungsechos (04)

    Kürzlich fand ich in einer kleinen Schachtel im Keller ein paar vergilbte Fotos. Meine preußische Großmutter Ilse ist darauf zu sehen. Mit ernstem Gesicht, Pelzkragen und schicker Frisur ungefähr Ende der 20er Jahre, um ihren 21. Geburtstag herum. Eine junge Frau, ernst, weil nicht allzu lange zuvor ihr Vater starb. Sein Unternehmen, eine erfolgreiche Firma der Textilbranche, ist in den Wirren der großen Weltwirtschaftskrise bankrott gegangen. Die Anstrengungen, seine Familie vor den Folgen zu bewahren, haben Ilses Vater das Leben gekostet: Sein Herz blieb stehen, sie hat ihn morgens tot in seinem Bett gefunden. »So friedlich, mit einem Lächeln, ich habe ihn lange…

  • Willkommen in Absurdistan (01)

    Absonderliche Funde in Werbebeilagen, eine kleine Aufzählung: Unter den Bezeichnungen »Schlemmertopf« oder »Bauerntopf« wird Hundefutter verkauft. Für Katzen gibt’s Vergleichbares, das heißt dann »Gourmettöpfchen« oder »Paté mit feiner Sauce« aus wechselnden Grundstoffen, das die verzückt lächelnden Besitzer*in auf feinen Schälchen, mit geschlossenen Augen schnuppernd und mit Kräuterzweiglein garniert servieren. Dem verwöhnten Viehzeug halt.   Nebenan im Kühlregal finden straff durchgetaktete Zeitgenoss*innen Rosmarinkartoffeln. Vegan, klimaneutral, immerhin, ganz arg lecker angeblich, mit grüner Ernährungsampel und in Plastik verpackt. Frisch vorgegart, Zubereitungszeit in Mikrowelle oder Pfanne nur wenige Minuten. »Mehr Zeit für Genuß!« wirbt die Aufschrift für das Zeugs: 2,99€ für 250 g Fertigkartoffeln sind ein…

  • Das Licht, immer wieder

        Immer und überall sind es die Begegnungen: Mit dem Licht, das eine eher unspektakuläre Landschaft auf ganz eigene Art adelt. Das Licht, das einen berührt, die Gedanken auf Wanderschaft schickt, das Herz weit macht. Mit dem Licht im Gespräch, so könnte man das nennen: Es ist ein Dialogr aus Klängen, Farben, Assoziationen und Gerüchen, der weiter schwingt in die Linienführung eines Bildes, dessen Komposition und Ausarbeitung. Um das zu finden, muss man sich nicht zwangsläufig auf die Suche begeben; fast immer findet das Licht denjenigen, der sehenden Auges flaniert und dessen Herz offen genug ist für diese Begegnung.   Manchmal gehören…

  • Notizen von unterwegs: Zum Goldenen Tiger

    Prag - ©HeikeRost.com - Alle Rechte vorbehalten.

    Wehe dem Gast, der im „U Zlatého Tygra“ einen der Stühle besetzt, die mit der Rückenlehne schräg am Tisch lehnen! Die Kellner verscheuchen den Besucher ziemlich schnell, sind diese Stühle doch einzig den Stammgästen der Prager Bierstube vorbehalten, die nachmittags ab drei Uhr das kleine Lokal mit lautstarkem Leben erfüllen. Eigentlich ist es immer voll dort, Stimmengewirr im Raum, das geleerte Bierglas wird flugs durch ein frisch gefülltes ersetzt. Pilsener Urquell frisch gezapft vom Fass, das beflügelt Gedanken und Sprache. Mancher Gast sitzt schweigend, sinnierend dort, blickt vor sich hin, denkt und träumt mit lebendiger Mimik, erzählend auch ohne Worte: Stundenlang. Gesichter voller…

  • Notizen von unterwegs: Valentinstag

    »When you are old and grey and full of sleep, And nodding by the fire, take down this book, And slowly read, and dream of the soft look Your eyes had once, and of their shadows deep;   How many loved your moments of glad grace, And loved your beauty with love false or true, But one man loved the pilgrim soul in you, And loved the sorrows of your changing face;   And bending down beside the glowing bars, Murmur, a little sadly, how Love fled And paced upon the mountains overhead And hid his face amid a crowd of stars.«  …