Randnotiz zu Deutschland

Soso – Herr H. bezeichnet nur die »Ostdeutschen« als »echte Deutsche«, seiner Meinung nach seien »die Westdeutschen« eigentlich Deutsch sprechende Amerikaner. Meinen sonstigen Gewohnheiten zum Trotz verzichte ich an dieser Stelle auf die Verlinkung zum unsäglichen Podcast der Schweizer Weltwoche mit Roger Köppel. Die Suchmaschinen sind Eure Freunde, ich werde solchen Entgleisungen via Link auf eine Quelle keinerlei Podium und weitere Verbreitung schenken.

Dazu sei hier der Text von Thomas Osten Sacken verlinkt, dem ich schon eine Weile auf Facebook folge; er zitiert aus seinem vor über 20 Jahren erschienenen Frankfurtbuch. (Der Text ist öffentlich lesbar, darum hier lediglich der Link zum Text.)

Aus meinen Notizbüchern ergänzt gehört auch Carl Zuckmayer, großer Sohn meiner Heimatregion, dazu. In seinem Theaterstück »Des Teufels General« lässt er General Harras auf die Sorge seines Adjutanten um dessen Ariernachweis und eine Unklarheit darin sagen: »Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.«

Aus heutiger Sicht ist die ein oder andere Formulierung dieses Zitats – insbesondere »vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse.« kritikwürdig. Ich habe dennoch darauf verzichtet, diese Passage des Originals zu streichen. Der nähere Blick in die europäische Geschichte ist halt auch ein Blick auf Jahrhunderte voller Kriege, Kleinstaaten, Migration und letztlich Beleg für die Nicht-Existenz »Biodeutscher« alias »echter Deutscher; offenbar mangelt es auch Lehrern an diesbezüglicher Bildung: Insofern kann sich Herr H. seine kruden Fantastereien getrost an den Hut oder noch gänzlich anderswohin stecken. 3:-) 

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