Notizen – 14.02.2026

Allen guten Vorsätzen des regelmäßigen Bloggens zum Trotz: Es war eine turbulente Woche, jetzt also viel Lesestoff zum Wochenende, zusammengestellt aus unterschiedlichen Netz-Ecken.

»US-Software wird unter den neuen geopolitischen Bedingungen zu einem massiven Sicherheitsrisiko, schließlich könnten die USA Technologie und ihre Infrastruktur künftig gezielt als politisches Druckmittel missbrauchen. In Konfliktfällen mit Europa oder Deutschland könnten US-Firmen oder Behörden den Zugang zu wichtiger Software oder Cloud-Diensten unterbrechen oder Updates und Support einstellen. »Wenn die US-amerikanischen Cloud-Dienste in relativ kurzer Zeit ausfallen oder in Teilen nicht mehr verfügbar sind, sind wir hier in der Europäischen Union innerhalb weniger Tage nicht mehr arbeitsfähig«, warnte Dennis-Kenji Kipker, wissenschaftlicher Direktor beim Cyberintelligence Institute, kürzlich gegenüber der »Tagesschau«.« Weiterlesen bei »Blätter.de«

Überhaupt, Tracking und Privatsphäre: »Now, thanks to a new set of features, TikTok is poised to expand its network and see even more details about your life. (…) The issue centres around major changes to TikTok’s „pixel“, a tracking tool that companies use to monitor your online behaviour. I asked a cybersecurity company called Disconnect to analyse it. They found the updated TikTok pixel collects information in unusual ways compared to its competitors.  „It’s extremely invasive,“ says Patrick Jackson, chief technology officer at Disconnect. „This expanded data sharing, when you do analysis of the actual pixel code, you see things that look really bad.“ (…)

If you’re concerned about these individual websites you’re missing the point. Critics say the issue is that large tech companies like TikTok are increasingly following everything you do online. According to DuckDuckGo, a privacy company, TikTok has trackers on 5% of the world’s top websites. That number has grown steadily, though it’s nothing compared to Google with trackers on almost 72% of top websites and Meta at about 21%Weiterlesen im Beitrag der BBC – inklusive Tipps, wie man Netzschnüffler zumindest teilweise ausschaltet.

Anmerkung: Browser wie Firefox, Vivaldi und Brave bieten diverse Möglichkeiten, Tracking auf Websites zu unterbinden. Zusätzlich gibt es jede Menge nützliche Erweiterungen für _alle_ Browser, die sowohl Tracker als auch Werbung zuverlässig verhindern. Beschäftigung damit und vor allem Installation dringend empfohlen!

»Scheinintelligenz auf Speed und kognitive Fast-Food-Kultur: Ki serviert uns Texte, die klug klingen. Das Perfide: Je glatter der Output, desto leiser der Zweifel. Wir klicken, prompten, posten – und halten kognitive Fast-Food-Produktion für Fortschritt. Während Maschinen lernen, Texte zu schreiben, verlernen wir, sie zu verstehen. Wir verwechseln Plausibilität mit Wahrheit und Bedienung mit Kompetenz. Wir merken nicht, wie sehr Ki uns formt. Weil sie unsere Muster verstärkt: Denkfaulheit, Bequemlichkeit, Technikglaube. Weil sie unsere Fehler verstärkt: Unsere eigene Unfähigkeit zu denken. Wir glauben, schlauer als sie zu sein und merken nicht, dass wir es nicht sind und selbst immer fauler werden. Denken wird zur Ausnahme. Und zum Störfaktor.« Ein nachdenklicher Text von Wortfeiler.de aka Barbara Piontek. Wortfeiler ist Texterin – und sozusagen, (liebe Barbara, verzeih): Ein Urgestein des ex-Twitterversums, in dem wir uns ganz zu Anfang dieser Ära über den Weg liefen. Schöne, digitale Kontakte, die mittlerweile anderswo unterwegs und immer noch so folgenswert sind. Zu finden auch und hier verlinkt auf Bluesky und Mastodon.)

»Last week, Discord invited the contempt of its users by announcing it will be rolling out global age verification restrictions in March, which will restrict viewable content and communities for users who don’t scan either their faces or government IDs and haven’t already been determined to be an adult by unspecified prediction algorithms. Approximately nobody thought this was cool. Impossibly, despite its attempts to pacify the ensuing outcry by issuing a clarification that merely some users will be required to submit to its child detection matrix, Discord has managed to make the rollout of its global age assurance policy seem even grimier. The company has informed some users in the UK they may be part of „an experiment“ with Persona, an age verification vendor whose investors include Peter Thiel, co-founder of ICE’s premier surveillance provider, Palantir. (…)« Weiterlesen über die nicht ganz offensichtlichen Verstrickungen von Discord und Palantir bei PCGamer. (Sorry, English only – DeepL ist hilfreich für den Fall der Fälle. Im zitierten und verlinkten Text finden sich noch einige weitere, sehr lesenswerte Links.)

»Doch ein erheblicher Teil dieser Entwicklung geschieht am offiziellen Organigramm vorbei – mit „Shadow AI“, wie der aktuelle Security-Report von Microsoft warnt. Laut Bericht nutzen bereits 29 % der Mitarbeitenden nicht autorisierte KI-Agenten. Und so sieht der Büroalltag 2026 vielfach so aus: Mitarbeitende klicken sich durch Tools, während die unternehmensweite KI-Strategie noch durch die Lenkungskreise mäandert.« schreibt Christa Goede als Einordnung eines interessanten Reports zum Thema »Shadow AI in Unternehmen«. Den kompletten Report gibt es – Achtung! – bei Microsoft zum Nachlesen. Und der bei LinkedIn abonnierbare Newsletter von Christa Goede lohnt sich: »Mensch. Maschine. Moral.« liefert alle 14 Tage Denkanstöße ins Postkörbchen.

Anmerkung: Erinnert sich eigentlich noch jemand an die leidigen Debatten um private USB-Sticks an Firmenrechnern? »Ups, da war ein Trojaner/Virus drauf? Na hoppla, sowas Dummes auch….« – die Diskussion um Cybersicherheit und insbesondere KI stößt da mittlerweile in ganz andere Dimensionen vor.

OpenClaw, just sayin‘: »Direkte Angriffe auf persönlichem Level im Blog-Post: (…) Mit seiner Ablehnung hatte er (Anm. der Verf: Scott Shambaugh) offenbar die „Gefühle“ des stochastischen Papageis beleidigt. Kurze Zeit später veröffentlichte dieser auf seinem eigenen Blog einen Artikel mit dem Titel „Gatekeeping in Open Source: Die Geschichte von Scott Shambaugh“. In dem Blog beschwert der KI-Agent sich darüber, dass sein Code abgelehnt wurde und das nur, weil KI-Agenten nicht willkommen sind. (…) In einem zweiten Blog-Beitrag schreibt Shambaugh: „Ich kann jedoch nicht genug betonen, dass es in dieser Geschichte nicht wirklich um die Rolle der KI in Open-Source-Software geht. Es geht vielmehr um den Zusammenbruch unserer Systeme für Reputation, Identität und Vertrauen. […] Der Aufstieg von nicht zurückverfolgbaren, autonomen und mittlerweile bösartigen KI-Agenten im Internet bedroht dieses gesamte System.“« Weiterlesen bei Heise.

Nachdenkliche Töne von Sebastian Guggolz, neugewählter Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: »Ob unser deutschsprachiger Begriff Künstliche Intelligenz eigentlich auf einem Übersetzungsfehler aus der amerikanischen Tech-Sprache basiert, weil die deutsche Intelligenz etwas anderes als die amerikanische intelligencebedeutet, bleibt eine offene Frage. Keine offene Frage ist, dass diese Verschiebung von der intelligence zur Intelligenz öfters zu Missverständnissen führt, weil wir verständlicherweise Intelligenz dahinter vermuten, und nicht intelligence. In der Intelligenz klingt das geistige Verarbeiten, die Denkleistung und Denkfähigkeit an, die menschliche Geistesgegenwart und auch ein gewisser Esprit und Lust am Denken. Es ist ein Begriff der Qualität. Das englische Wort intelligence dagegen ist stärker ein Begriff der Quantität, er liegt näher am Faktensammeln, an Geheimdienstarbeit, an Informationsbeschaffung und Datenerhebung. Das Verstehen und vor allem das Darüber-Nachdenken ist, anders als in der deutschen Intelligenz, nur eine von vielen untergeordneten Bedeutungen, die im Begriff intelligence mitschwingen.« Weiterlesen im Beitrag.

»Now, AI is a statistical inference engine. All it can do is predict what word will come next based on all the words that have been typed in the past. That means that it will “hallucinate” a library called lib.pdf.text.parsing, because that matches the pattern it’s already seen. And the thing is, malicious hackers know that the AI will make this error, so they will go out and create a library with the predictable, hallucinated name, and that library will get automatically sucked into the AI’s program, and it will do things like steal user data or try to penetrate other computers on the same network. And you, the human in the loop – the reverse centaur – you have to spot this subtle, hard-to-find error, this bug that is indistinguishable from correct code. Now, maybe a senior coder could catch this, because they have been around the block a few times, and they know about this tripwire.« Cory Doctorow für The Guardian.

Ein Wort auch zur nächsten Runde der KI-genierten »niedlichen« Karikaturen: Ähnlich wie der »Ich als Spielzeugfigur«-Trend schlägt das gerade ziemliche Wellen auf fast allen Plattformen des Sozialen Netzes. Spoiler Alert: Lasst es einfach bleiben. Biometrische Daten aka euer Gesicht gehören nicht in KI-Generatoren aller Art, denn ihr füttert damit Gesichtserkennung und einiges mehr. Offenbar kann man es nicht oft genug sagen: darüber hinaus lassen sich einmal dort hochgeladene Daten nicht mehr löschen.

»When you upload photos and personal details to a chatbot such as ChatGPT, the platform “collects all of this information and analyses it,” says Moore. “This information gets stored and is used to train these impressive models alongside unclear long term uses.”With the current AI caricature craze, users are “actively feeding increasingly detailed personal information into generative models to improve the output,” says Matt Conlon, CEO and co-founder at security firm Cytidel. “If the result isn’t accurate, they simply add more context, effectively training an AI system with highly personal data.” Weiterlesen bei Forbes.

Facebook ist Geschichte, Ihr findet mich bei LinkedIn. Zwar gibt’s das Problem der ShadowBans wohl auch dort, der Tonfall ist ein anderer (yay! kein Katzencontent!), die Kommentare bisweilen auch, nun ja, gewöhnungsbedürftig. Nach ein wenig intensiverer Zeit dort stelle ich allerdings für mich fest: Dort gibt’s eindeutig die interessanteren Beiträge. Auch zum Thema KI, das dort teils sehr kontrovers – und international – diskutiert wird. Lesenswert ist das jedenfalls fast immer, sieht man mal von den nervigen  Anfragen irgendwelcher KI-Berater und den per KI generierten Karikaturen (Profilbildern) und Texten ab. Irgendwas ist ja immer.

Zur Entspannung für pappnasenfreie Tage zwei Fundstücke aus der ARTE-Mediathek:

»Bowie – Der letzte Akt« – eine wunderbare Dokumentation über David Bowie, menschlich, nahbar, nachdenklich, fesselnd.

»Sade: Bring me home« – Live in California, aufgenommen 2011, ein sensationelles, knapp zweistündiges Konzert.

Man kann nicht immer nur ernst sein: Holla die Waldfee!

(Weiterführende Links sind wie immer farblich gekennzeichnet: fett, unterstrichen, rot.)

Nachtrag:

»Um uns auszulöschen, müsste eine KI über Bewusstsein, Wollen, Können verfügen. Tatsächlich verfügt sie gegenwärtig noch nicht einmal über Verstand, wie das Beispiel Nietzsche/Wagner lehrt. Eine KI von heute versteht weder unsere Fragen, noch die Antworten, die sie in ihrem Inneren nach allen Regeln der Kunst zusammenschustert. Und auch, wenn sie künftig noch ungeheuer schnell ungeheuer viel dazulernt und demnächst via Quantencomputer simuliert und halluziniert, wird sie doch nie den prinzipiellen Unterschied zwischen Mensch und Maschine überwinden können.« Christian Nürnberger in seinem Gastkommentar in der Allgemeinen Zeitung Mainz, 13.2.2026 

Was sich auf den ersten Blick locker daherplänkelnd liest, wird auf den zweiten Blick zum unbehaglichen Ärgernis: Allemal vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen von moltbook über OpenClaw bis hin zum weiter oben schon erwähnten Amok-KI-Agenten, der seinen Kritiker eigenständig auf übelste Art verunglimpft.

Eine überaus lesenswerte Replik auf diesen Kommentar – fundiert und mit bedenkenswerten Argumenten hat Robert Herr (u.a. Autor bei Golem, Ruhrbarone) geschrieben: »Nürnberger begeht exakt denselben Fehler in Bezug auf Intelligenz. Er nimmt an, dass „echte“ Intelligenz etwas Mystisches erfordert, das Maschinen prinzipiell nicht besitzen können. Aber das menschliche Gehirn besteht selbst aus Atomen, Molekülen und elektrochemischen Impulsen und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Arbeit, die diese Teile verrichten – im Falle des Gehirns konkret das Treffen von Vorhersagen, das Lösen von Problemen und die Manipulation der Umwelt – nicht auch von anderen physisch möglichen Systemen verrichtet werden könnte. Ein U-Boot schwimmt nicht wie ein Fisch. Ein Flugzeug fliegt nicht wie ein Vogel. Aber beide erfüllen dieselbe Funktion auf andere Weise.« Weiterlesen auf Facebook – und bitte auch die Links in den dortigen Kommentaren beachten!