Lesestoff: Hardware, KI und EU – 12.03.2026

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Ein Nachtrag zum gestrigen Blogpost, zu einem Thema, das mich hinsichtlich Software-Entwicklung schon länger beschäftigt; mit einem Blick auf die Entwicklung von Hardware-Preisen und deren Verfügbarkeit wird das sehr komplex und berührt grundlegende Fragen im Umgang mit Computern, digitaler Autonomie und mehr. Über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, hat sich Software immer mehr an Consumern orientiert, ob in Bedienbarkeit, Nutzeroberfläche oder Funktionen. Mittlerweile explodieren dank KI und völlig absurder Geschwindigkeit des Aufbaus von KI-Rechenzentren auch die Hardwarepreise. Seit Oktober 2025 ist der Preis von beispielsweise HDs oder SSDs um satte 30 – 40% gestiegen – bezogen allein auf das Produktsegment, das ich für meine Rechnerinfrastruktur inklusive Archiv nutze. Bilddaten sind umfangreich, weswegen Cloud Services für eine Archivierung schon allein aus Kostengründen ausscheiden. Unabhängig übrigens von der Frage, was Reportagen, Porträts, Bilder von Menschen und anderes auf den Servern externer Dienstleister zu suchen haben – DSGVO anyone? Für manche meiner Kunden habe ich diesbezüglich einige Dokumente verfasst bzw. verfassen müssen, um deren Fragen nach dem datenschutzkonformen Umgang mit meinen Fotos und Daten rechtssicher zu beantworten. Der Verweis auf mein Inhouse-Archiv, dessen Absicherung vor unbefugten Zugriffen etc. gehört dazu.

Jürgen Geuter alias tante hat über diese unsägliche Entwicklung für Golem kommentiert:  »Der Grund für die Kostenexplosionen ist KI. Die KI-Anbieter bauen gerade immense Mengen von Data Centern auf und müssen diese mit Servern bestücken. Servern, die neben Nvidia-Karten RAM und Festplattenplatz benötigen. Ob, wann und in welchem Umfang all die geplanten Rechenzentren wirklich gebaut werden, steht in den Sternen. Trotzdem reservierten sich die großen Infrastrukturanbieter die Produktionskapazitäten der großen Fertiger für die nächsten Monate komplett. Die Anzahl der möglichen Anbieter ist überschaubar und so stehen am Markt nur noch Reste zur Verfügung.«

Arbeitsspeicher, Festplatten, Hardware allgemein sind Voraussetzung für digitale Autonomie jenseits von Cloud Services; Verteuerung und weitere Reduzierung eines ohnehin schon spärlichen Angebots, die Verschiebung von Nutzergewohnheiten hin zu Tablets und z.B. Chromebooks bergen weiteren Diskussionsstoff: Welche Auswirkungen haben solche »kastrierten« Arbeitsgeräte auf Fotografen, Grafik Designer, Visual Artists, kurz sehr viele Produzierende der Kreativwirtschaft, die auf leistungsfähige Hardware, entsprechende Kapazitäten (Archivierung ebenso wie Arbeitsspeicher) und leistungsfähige Software angewiesen sind? Wie sehr wird sich deren Schaffen, ihr künstlerisches, kreatives Potenzial, verändern, wenn die zur Verfügung stehende Hardware entweder utopisch teuer wird, Anschaffungspreise mit Honoraren nicht mehr finanziert werden (können) oder benötigte Rechnersysteme und -komponenten überhaupt nicht mehr erhältlich sind? Mit entsprechendem Kapitaleinsatz der Big Player lassen sich komplette Branchen und Nutzende komplett ausschließen – zugunsten der einzigen Option von Cloud Services.

The bigger picture ist unerfreulich und über die wirtschaftliche Seite hinaus auch eine langfristige politische Frage, eng verknüpft mit den Problemen eines dank KI erodierenden Marktes. Das Europäische Parlament hat am 10. März 2026 den Bericht »Urheberrecht und generative künstliche Intelligenz – Chancen und Herausforderungen« veröffentlicht, das PDF ist verlinkt. Axel Voss, Europa-Abgeordneter der CDU, war maßgeblich an den Verhandlungen und der inhaltlichen Ausarbeitung beteiligt, ein kurzes Interview mit ihm gibt es hier. Ein Zitat daraus: »Die Diskussion über eine faire und verantwortungsvolle KI darf nicht über die Köpfe jener hinweg geführt werden, deren Ideen und Werke diese Technologie überhaupt erst ermöglichen.«

Umso gelungener ist die Aktion von fast zehntausend britischen Autorinnen und Autoren: Sie haben das Buch »Don’t steal this book« veröffentlicht, das bis auf die Namensliste der Beteiligten leer ist und protestieren damit gegen eine geplante Überarbeitung der Regelungen für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke in Großbritannien. Mehr dazu bei Deutschlandfunk Kultur, bei Euronews und Literary Hub.

Was das alles miteinander zu tun hat? IMHO eine ganze Menge. Das EU-Votum ist ein politischer Handlungsauftrag. Und, zurück zum Werkzeug, ohne entsprechende unabhängige Soft- und Hardware, ohne digitale Resilienz gibt’s möglicherweise nicht mehr so viel urheberrechtlich geschützte Kompositionen, Filme, Fotos, Bücher …. (Causa Weimer, unbequeme Meinungen und Werke, die Liste wär‘ hier ein wenig länger.)

 

 

 

 

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