In den letzten Tagen hat es mir auf Facebook mehrfach den Post eines bestimmten Profils über ein Statement des New Yorker Oberbürgermeisters Zohran Kwame Mamdani zum Tod von Renee Nicole Good in die Timeline gespült. Namentlich nenne oder verlinken werde ich dieses Profil an dieser Stelle nicht: Keine zusätzliche Reichweite für Fakes und Bots.
Interessante Details, die bei einer stichprobenartigen Recherche auffallen:
– Das Profilbild des Accounts wird von mehreren Profilen in sozialen Netzwerken genutzt. Die Bildersuche der einschlägigen Suchmaschinen liefert zahlreiche Treffer unterschiedlicher sowohl männlicher als auch weiblicher Profile.
– Zusätzlich enthalten andere Profilbilder des Accounts sowie einige Fundstellen des identischen Profilbilds auf anderen FB-Accounts namentliche Markierungen. Sie führen zu weitgehend inhaltslosen Accounts angeblich real existierender Personen, stehen geografisch und/oder sprachlich in keinerlei Zusammenhang mit dem Ausgangsprofil und arbeiten teils mit erkennbar via KI generierten »Porträts«.
– Der Account folgt vielen anderen Accounts, die weder sprachlich noch inhaltlich irgendeinen Bezug zum Ausgangsaccount aufweisen; darunter sind allerdings auffallend viele Seiten und Profile, die enorme Reichweite aka Followerzahlen haben. Bei den Followern des Profils verhält es sich teils ähnlich – vielfach keinen Bezug zum gefolgten Account, weder geografisch noch sprachlich oder inhaltlich. Offenbar wurden viele der Follower vor nicht allzu langer Zeit angelegt, posten größtenteils entweder keinerlei Inhalte oder teilen lediglich vielfach Geteiltes als »Verbreitungsschleuder«. All das lässt den Schluss zu, dass es sich überwiegend um Fake-Profile und/oder Bots handelt.
– Standort des Profils ist kleiner Ort in Osteuropa, eine konkrete Person ist im Internet nicht auffindbar.
– Die weitere Suche führt zu Instagram, Pinterest und TikTok. Besonderheit bei Instagram, wo zwei recht unterschiedliche Profile mit identischem Porträt und Namen existieren: jeweils über 23.000 Beiträge, die fast KI generiert und nur zu einem Bruchteil aus echten Bildern oder persönlich anmutenden Beiträgen bestehen. Auffällig: die Beiträge des einen Accounts bestehen seit Mitte 2025 fast ausschließlich aus politischen Memes. (Eine erstaunliche »Drehzahl«, die auf automatisierte Posts hindeutet.)
– Die ausführlichen Texte zu den Beiträgen auf Facebook muten professionell an, vermitteln allerdings in Stil, Wortwahl und Satzbau den Eindruck, via Textgeneratoren erzeugt zu sein. Darüber hinaus sind sie fehlerfrei – im Gegensatz zu den in Diktion und Wortwahl hochemotional wirkenden kurzen Texten auf z.B. Instagram, die von Rechtschreib- und Sprachfehlern nur so strotzen.
– Generell sind keine Quellen verlinkt, sondern es wird lediglich eine angebliche Quelle genannt und mit einem willkürlich gewählten, in den sozialen Netzen weitverbreiteten Foto kombiniert. (In einigen Fällen ist die korrekte Quelle recherchier- und belegbar, in den meisten Fällen führt die Suche allerdings ins Leere.)
Mag der reflexartig geteilte Inhalt noch so sehr den eigenen Interessen, eigener Sichtweise oder Haltung entsprechen, der Inhalt auch noch so toll klingen oder aussehen, so sind die geschilderten Details doch ausreichend Grund, die Finger von solchen Beiträgen zu lassen. Und nein, die Begründung »ja aber die Aussage« ist keine vernünftige Begründung für das Teilen solcher Inhalte oder den Verzicht darauf, Quellen anzugeben und im optimalen Fall zu verlinken. Auch die als »die Guten« Empfundenen verbreiten unter Umständen Fake News oder sind Bots und damit Teil eines gigantischen Haufens Schei*e. (Dazu meine preußische Großmutter in analogen Zeiten ganz ohne Internet: »Wer sich neben den Misthaufen stellt, stinkt auch.«)
Zu guter Letzt wird dieser geschilderte Sachverhalt auch noch aus einem ganz anderen Grund so richtig übel: Mithilfe seiner Algorithmen verbirgt Meta/Facebook selbst dann Beiträge zu Fake-News, künstlich generierten Bildern etc., wenn diese eindeutig eingeordnet, gekennzeichnet, mit sichtbaren Markierungen auf Bildern und entsprechenden Informationen im Text verbunden sind. Im Ranking werden solche informativen, wichtigen Beiträge in Sichtbarkeit und Reichweite eingeschränkt oder auch komplett entfernt, die dazugehörigen Accounts und Profile temporär gesperrt oder bei wiederholten »Verstößen« komplett gelöscht. Differenzierte Möglichkeiten des Einspruchs gibt es nicht, ebensowenig wie direkten Kontakt zu Support oder Supportmitarbeitern. Das übernehmen Schaltflächen, die lediglich »Überprüfen« anfordern.