Notizen – 01.02.2026

Zwei Tage Computerschrauben liegen hinter mir, in denen ich Apps und Programme kritisch unter die Lupe genommen habe. Einiges habe ich aussortiert, vor allem auf den mobilen Endgeräten, der Blick auf die Herkunft der digitalen Nützlinge hat mir deren Gebrauch vermiest. Und letztlich gilt auch auf allem Digitalequipment das, was für Schuh- oder Kleiderschränke gilt: Mehr als ein Jahr nicht getragen bzw. genutzt? Raus damit, das war wohl eine Fehlanschaffung.

Neuzugang unter den Werkzeugen und nach intensiver Beschäftigung damit ausdrücklich empfohlen: Der Webbrowser Vivaldi, der nicht nur superschnell läuft, sondern auch viele nützliche Aspekte bietet. VPN ab Werk eingebaut, Datenschutz, automatisiertes Blockieren von Trackern und Werbung, Privatmodus, Wahl zwischen den unterschiedlichen Suchmaschinen etc. – und obendrauf konsequenter Verzicht auf KI. Das Ganze kostenlos, schnell installiert und da auf Chrome basierend, sind viele nützliche Erweiterungen (z.B. Passwortmanager!) ebenso schnell installiert wie sich die Benutzeroberfläche an das von anderen Browsern gewohnte Design auf dem Desktop anpassen lässt. Zusätzlich bietet Vivaldi die nahtlose Synchronisation der mobilen Versionen für Smartphone und Tablet an; ratzfatz erledigt, alles läuft geschmeidig und ohne störende Nebeneffekte.

Nach dem interessanten Schritt von Apple, seine systemeigenen Apps Pages, Numbers und Keynote jetzt in zwei Versionen – kostenlos in Basisausstattung, kostenpflichtig in erweitertem Umfang – anzubieten, ist auch damit jetzt Schluss: LibreOffice nutze ich seit Jahren, bin damit sehr zufrieden (auch wenn die Nutzeroberfläche unschön an steinalte Windows-Zeiten erinnert) und habe erfreut entdeckt: über einen Workaround – zu finden im Nutzerforum von LibreOffice – kann die OpenSource-Software auch mit dem leidigen Thema eRechnung umgehen. Eine auf dem eigenen Rechner installierte Datenbank inkl. Formular ist mit Einarbeitung verbunden, nicht unbedingt für ungeübte Computernutzer*innen geeignet, lohnt sich dennoch: Die Ausgabe der Rechnungen erfolgt als XML-Datei und zusätzlich als normales, schreibgeschütztes PDF.

Ansonsten bin ich sehr gespannt auf die weitere Entwicklung von EuroSky, das laut der Website des europäischen Projekts im Februar 2026 an den Start gehen soll: »Eurosky is building the future of social media – open, pluralistic, and made in Europe. We believe social media should serve our economies and societies, not monopolies. Eurosky is a public-interest infrastructure project that puts control in the hands of users, businesses, and European society. By combining European cloud infrastructure with open standards and democratic governance, we’re creating a new ecosystem where innovation thrives, moderation is transparent, and no single company or country can dictate the rules.«

LinkedIn, wo ich derzeit noch zu finden bin, ist auf längere Sicht auch keine Option: Dort häuften sich in den letzten Tagen Meldungen, dass Beiträge, die sich kritisch mit den USA (Minneapolis, ICE etc.) oder den neuen US-AGB von TikTok auseinandersetzen, offenbar in der Reichweite beschränkt oder blockiert wurden. Auch wenn manche Kommentatoren sogenannte »ShadowBans« bezweifeln und in das Reich der Legenden verweisen, die Plattformen sich mit technischen Problemen entschuldigen oder alternativ von vielen Kommentierenden behauptet wird, ein Recht auf Meinungsfreiheit gäbe es auf privatwirtschaftlichen Plattformen schlicht nicht (»selbst schuld« ist die dümmste Antwort, schon immer): Allerhöchste Eisenbahn – ich wiederhole mich, sei’s drum – für eigene Plattformen … und eine europäische Infrastruktur.

Noch ein paar lesenswerte Links am Sonntag:

Zum Thema LinkedIn und Shadowbans unter anderem im Kuketz-Blog. Neu entdeckt, interessante Tech-Themen.

Sascha Pallenberg schreibt auf seinem LinkedIn-Profil Erhellendes – hier zur Verknüpfung diverser Software-Tools zu umfassender Überwachung.
Hörenswert – und hilfreich – ist auch Pallenbergs Podcast-Folge über seinen Ausstieg aus Microsoft-Software und Infrastruktur.

Zur aktuellen Phishing-Attacke unbekannter Herkunft auf Signal, die vor allem Journalistinnen und Journalisten betrifft, hat Markus Reuter auf Netzpolitik.org geschrieben.

Wer einen Einblick sucht in die Verknüpfung unterschiedlicher Tools, die in den USA zu nahezu perfekter Überwachung führen – und erklären, warum ICE Mitarbeiter mit ihren Smartphones Menschen und Kennzeichen filmen, wird bei der Washington Post fündig. Gesichts- und Kennzeichenerkennung, Lokalisierung von Mobiltelefonen, Drohnen und digitale Forensik sind in der Kombination kein fiktionales, sondern höchst reales Gefährdungspotenzial (Terminator, Blade Runner etc. anyone?).

Umso besser, dass Apple mit seinem anstehenden iOS-Update auf 26.3 die Standortermittlung einiger iPhones und iPads einschränkt. 

Nachtrag zu Vivaldi auf mobilen Endgeräten: Gerade habe ich auf Tablet und Smartphone zusätzlich die kostenfreie Version von Proton VPN installiert. Empfehlenswert, weil in der Mobilversion von Vivaldi noch nicht unter der Motorhaube eingebaut. Mehr Informationen dazu – auch zur Dropbox-Alternative ProtonDrive – gibt es auf der Website des Schweizer Unternehmens. (Inklusive aller Preismodelle, die zusammengerechnet auch nicht teurer sind als mehrere zugekaufte Einzel-Apps.)

 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Thomas Weiberg

    Vielen Dank für die Hinweise, Vivaldi werde ich bestimmt nutzen. Der Weg zu persönlichen Foren ist wohl der richtige. Nun ist durch Ihre Anregungen ein Denkprozeß angestoßen… Einstweilen viele Grüße aus dem klirrend frostigen Berlin.

    1. Heike Rost

      Wie schön, auch hier von Ihnen zu lesen. Ihre Beiträge auf Facebook gehören zu den Dingen, die ich vermissen werde. Sie sind immer Denkanstoß, »Stolperstein« im besten Sinne – für den Blick über den Tellerrand, für anderes, noch nicht Gesehenes, für zu Entdeckendes. Großen Dank dafür und Grüße zurück nach Berlin!

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