Nach ein paar Tagen mit winterlichem Wetter, großen regionalen Unterschieden und viel Getöse um Wetterwarnungen und angebliche Panikmache dazu ein paar Gedanken und Tipps. Wer meint, der Winter sei bei uns vorbei, könnte eine Überraschung erleben, denn … hier ist zunächst die Wetter-Prognose für den Großraum Berlin in den nächsten 16 Tagen. Als Beispiel für eine Region gewählt und von einem Wetterkundigen, ebenso stellvertretend für viele andere.
Berlin hat Kontinentalklima, vielleicht ist das dem ein oder der anderen aus dem Erdkunde-Unterricht noch präsent; Kontinentalklima und maritimes Klima unterscheiden sich in wesentlichen Punkten, eine gute Erklärung dazu gibt es beispielsweise auf den Seiten des Deutschen Wetterdienstes im Glossar. Es ist interessant, sich damit zu beschäftigen und lohnend, einen Blick in die regionalen Langzeitprognosen zu werfen. Sie sind ziemlich unterschiedlich – und ja, das sind Prognosen, in denen noch viel Spiel nach oben und unten ist.
Bemerkenswert fand ich in den letzten Tagen die erheblichen regionalen Unterschiede. In Mainz war alles grün und nur kurz von Glatteis/Schnee geprägt, verhältnismäßig kurze Frostphase, mittlerweile deutlich mildere Temperaturen. In höheren Lagen nur wenige Kilometer entfernt gab es mehr Schnee und anhaltende Minusgrade, in Niedersachsen teils hohe Schneeverwehungen und unpassierbare Straßen, Temperaturen im zweistelligen Minusbereich, in den östlichen Bundesländern oder auch in Österreich örtlich zentimeterdickes Glatteis auf gefrorenem Boden. Die sehr unterschiedlichen tatsächlich eintretenden Wettersituationen und lokalen Gegebenheiten zeigen, wie schwierig es ist, präzise Aussagen zu treffen und darüber, wo was und in welcher Form und Menge herunter kommt. Dennoch sollte man solche Prognosen zur Kenntnis nehmen und bei extremen Wetterlagen entsprechend vorbereitet sein.
Das heißt übrigens NICHT, dass Unwetterwarnungen sinnlos oder Panikmache sind. Nicht erst seit der Katastrophe in der Ahr-Region hat sich da einiges verändert – und das ist im Grundsatz richtig so; denn Wetter ist nicht gleichbedeutend mit Klima. Ein Blick auf die Langzeitprognose liefert erste Anhaltspunkte, kurzfristig sollte man dann einen Blick in die Details werfen, denn den erheblichen Veränderungen des Klimas folgend werden Wetterereignisse aller Art heftiger, regional extrem unterschiedlich und je nach Hoch- oder Tiefdruckgebieten, Jetstreams etc. auch stabiler, siehe z.B. die regionale Niederschlagsverteilung im vergangenen Jahr. Der Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung liefert eine sehr interessante Übersicht, was die regionalen Verhältnisse betrifft. Bei Starkregen kann das – wie in der Ahr-Region – bedeuten, dass sich ein Niederschlagsgebiet über einen längeren Zeitraum kaum vom Fleck bewegt und erhebliche Mengen »ablässt«. Oder auch, dass ein Ort unter Wasser steht, sich dort Erdmassen in Bewegung setzen – und die Bewohner des nächsten Orts nur ein paar Kilometer entfernt keinen Tropfen sehen. Oder dass Fallwinde (»Downbursts«) in zwei, drei Straßenzügen Dächer abdecken und Verwüstungen hinterlassen und den Rest des Orts unbeschädigt hinterlassen.
Sich auf die ins OS von Smartphones etc. eingebauten Wetter-Apps zu verlassen, ist, nun ja, so eine Art Roulette. Kann so sein, könnte so kommen, muss nicht; je nach Version und App gibt es beträchtliche Abweichungen. Haken dran, das taugt nicht wirklich und ist eher Spielzeug. Im Zweifelsfall sind die nachfolgend aufgezählten Wetter-Apps sehr gute Werkzeuge, um Wetterlagen einschätzen und dazu genauere Aussagen treffen zu können (inklusive ein paar Vorsichtsmaßnahmen, wenn Sturm, Gewitter oder Starkregen aufziehen):
– SuperHD (kostenpflichtig, Abo, die Prognosen basieren auf drei Wettermodellen Deutschland-Europa-weltweit)
– Windy (kostenlose Basisversion, globale Wettermodelle mit unterschiedlichen Elementen, nützlich für Langzeitperspektiven in Großräumen und Bewegungen von Wetterzonen/Sturm)
– Storm (kostenpflichtig, Abo, Niederschlag, Tornado, Hagel etc. in Echtzeit und als animierte Prognose – sehr nützlich im Fall von Starkregen und/oder Gewitter)
– DWD Warn-App (kostenlose Basisversion und Pro-Version/Einmal-Preis derzeit 2,49 €; exzellente Warn-App mit unterschiedlichen Einstellmöglichkeiten für Unwetterwarnungen, regionales Feintuning möglich, Erklärvideos im Fall von Wetterextremen etc.)
– RegenRadar (als Basis-Version kostenlos, auch als Pro-Version erhältlich; Übersicht über Temperaturen, Windgeschwindigkeiten, Niederschlag – und oft einiges an Unterschieden zur App Storm)
– NINA/Katwarn Warn-Apps – über den Sinn dieser Apps muss man vermutlich nichts mehr schreiben.
Diese Empfehlungen basieren auf längerer Erfahrung mit den Apps. Im Schadensfall (Wasser im Keller nach Starkregen, Sturmschäden) sind übrigens Screenshots aus den Echtzeit-Wetter-Apps mit Datum, Uhrzeit, Windgeschwindigkeit und/oder Niederschlagsmenge ein Beleg für Versicherungen aller Art, dass es sich tatsächlich um eine extreme Wetterlage gehandelt hat.
Disclaimer: Wetter ist ein spannendes Thema, mit dem ich mich seit längerem befasse. Nicht zuletzt, weil manche Bereiche meiner fotografischen Arbeit sehr wetterabhängig sind. Deswegen nutze ich seit langem die oben aufgezählten Wetter-Apps in der Profi-Version und übe mich darin, Prognosen zu lesen und einzuschätzen.