Notizen – 29.01.2026

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»Ab sofort bei Meta nur noch lustige Memes und Katzencontent!« So könnte ich das durchaus zusammenfassen. Nicht nur, weil Meta seit langem gezielt die Sichtbarkeit vieler Beiträge via intransparenter Algorithmen reduziert. Alles nichts Neues, das ließ sich im Freundes- und Bekanntenkreis schon eine Weile verfolgen und anhand von Likes und Kommentaren auch belegen. Auch häufigeres Posten, schnelles Verfassen von Beiträgen und Kommentaren, höhere Frequenz im Messenger sorgen seit einer Weile immer wieder für zeitweiliges Verschwinden meines Profils.

In den letzten Tagen wird die Luft bei Facebook deutlich dünner, deutlich rigider die Vorgehensweise der Plattform. Nachzulesen ist das auf vielen Profilen, die vor allem im Kontext ICE Informationen veröffentlichen, Trump-kritischer Posts verfassen, aber auch gekennzeichnete Klarstellungen zu Fake News, KI generierten Bildern und Satire. Die Bandbreite reicht von automatisierter Herabstufung im Feed über Kennzeichnung als »verstörender/unangemessener Inhalt« bis zur Entfernung geposteter Links, temporären Einschränkungen für Profile (betroffen sind unterschiedliche Funktionen, Kommentare, Nachrichten via Messenger, erzwungener Nachweis persönlicher Identität) bis hin zu kompletter Löschung von Profilen.  Auf allen Plattformen des Meta Konzerns passiert gerade das, was der Drecksladen der Konzern im Zusammenhang mit Hate Speech, extremistischem Content, gefälschten Profilen und Bots äußerst liberal – um nicht zu sagen gar nicht – umsetzt. Dazu gehört übrigens auch die hohe Frequenz der Posts von Bot- und Fake Profilen, die teils im Minutentakt politische Memes aller Art posten und im Gegensatz zu realen Profilen keinerlei Einschränkungen unterliegen.

Künftig dann wieder hier und mehr, je nach Zeit, Lust und Laune: Inspirationen, Lesetipps aus dem Netz, heitere und weniger heitere Fundstücke. Keine Bilder und Fotos übrigens – die gibt’s auf meiner Haupt-Website: Einblicke in meine Arbeit, zumindest in diejenigen Produktionen, die ich mit Einverständnis meiner Auftraggeberinnen und Auftraggeber im Netz veröffentlichen darf. Bisweilen bin ich an Vereinbarungen zu Sperrfristen oder Exklusivität gebunden und halte mich daran; bei Interesse und Bedarf gibt es für einzelne Themenbereiche selbstverständlich die Möglichkeit, mir eine Mail zu schicken. Offline, beim Kaffee, lässt sich über Bilder und Zusammenarbeit trefflich plaudern – und erweiterte Portfolios gibt’s natürlich auch auf Anfrage. Im dortigen Blog findet Ihr Erzählenswertes über Berufliches, berührende Aufträge, Begegnungen mit Menschen, kurz: all das, was mich als Fotografin beeinflusst, beflügelt, bewegt, bezaubert und bereichert. (Ich liebe Alliterationen…)

Die heutige Linkliste (die weiterführenden Links sind farblich hervorgehoben):

* Der ex-Wrestler und Schauspieler Dave Bautista mit einem Rant in Sachen »Orange«– spät gefunden, veröffentlicht im Dezember 2025, ich putze immer noch den Kaffee vom Monitor.
Dieser Link ist zwar auf Instagram noch sichtbar, wird allerdings entweder als unangemessener Inhalt gekennzeichnet – oder ist via externem Zugriff nicht abrufbar. Die Darstellungsvarianten sind zahlreich – und im Facebook-Feed wurde der Link automatisch als »Seite existiert nicht« angezeigt.

* Mittlerweile gibt es zahlreiche Quellen bezüglich Meta und gezielter Einschränkungen, hier stellvertretend für andere ein Zitat aus WIRED: »When WIRED attempted to post a link on Facebook, we received a message that read: “Posts that look like spam according to our Community Guidelines are blocked on Facebook and can’t be edited.” Hours later, however, that message was updated to read: “Your content couldn’t be shared, because this link goes against our Community Standards.” The message linked to Meta’s Community Standards homepage rather than a specific part of those rules. Meanwhile on Threads, the link instantly disappeared when pasted into a new post, with a notice simply saying: “Link not allowed.” On Instagram, a notice appearing after an attempt to post a Story read: “We restrict certain activity to protect our community. Let us know if you think we made a mistake.”«

* Und kaum ist man fertig mit der Linkzusammenstellung, gibt’s auch zu TikTok noch Erhellendes beim Standard, der Laden gehört mittlerweile einem Vertrauten des US-Präsidenten:
»Gesperrte Beiträge, exorbitant lange Upload-Zeiten, eingeschränkte Sichtbarkeit: Unzählige Tiktok-Nutzer berichteten in den vergangenen Tagen, dass es ihnen verwehrt oder erschwert wurde, Inhalte über die Ermordung von Alex Pretti durch ICE-Agenten in Minneapolis zu teilen. Zwar gibt die Plattform technische Störungen als Grund für die Ausfälle an. Nutzer sind jedoch alarmiert, nachdem erst letzte Woche die Übernahme der US-Niederlassung des Unternehmens durch Trump-Verbündete abgeschlossen wurde.« (Über Internetsperren im Iran herziehen, über angeblich fehlende Meinungsfreiheit in Europa und Deutschland – und dann das. Glashaus, Steine, anyone?) Übrigens wirkt sich die aktive Einschränkung kritischer Beiträge bei TikTok, Verlautbarungen des Unternehmens zufolge lediglich »technical glitches«, offenbar auch deutlich auf die Nutzerzahlen aus.

*  Jochen Wegner/ZEIT spricht in seinem Interview-Podcast mit dem Psychologen Ralph Hertwig über die Frage, ob das Internet die Demokratie zerstört – und was man dagegen unternehmen kann. Im Fokus der aktuellen Einschränkungen auf den Plattformen von Meta lohnt es sich, dem Gespräch zuzuhören. Denn nicht nur das Nutzerverhalten trägt zu negativen Entwicklungen im Netz bei (Gier nach Reichweite, mangelnde Moderation etc.), sondern auch die Technik-Monopole von Google, Meta und Co.

Dass die Gefährdung von Demokratie, der Weg in sehr detaillierte Überwachung jenseits von Privatsphäre und Meinungsfreiheit real existiert, belegt ein Blick in Eure Daten von z.B. Instagram, die Ihr jederzeit komplett dort herunterladen könnt. Stories, die nach 24 Stunden nicht mehr abrufbar sind? Pfffff, guter Witz, nicht: Im heruntergeladenen Archiv der Beiträge finden sich sämtliche Stories, die seit Existenz und Nutzung dieser Funktion geteilt wurden. In meinem Fall seit 2020, säuberlich nach Jahreszahl und Monat aufgelistet, über das Profil nur teilweise aufzurufen, im Backend von Instagram offenbar lückenlos verfüg- und abrufbar.

* Erinnert sich eigentlich noch jemand an die einzelnen »Bausteine« des Googleverse? Picasa, Suchmaschine, G-Mail waren in den Anfangszeiten des WWW voneinander weitgehend unabhängige Instanzen, die mittlerweile zu einen monströsen Datenhalde zusammengewachsen sind. Künstliche Intelligenz und technologische Entwicklungen wie Palantir sind – im Fall von ICE – mittlerweile nicht nur ärgerlich, sondern gefährlich: »According to the 404 investigation, Elite pulls names, addresses, and photos from health records. It reportedly works like Google Maps, showing ICE agents which areas have higher densities of people who could be detained. It also generates dossiers on individuals, including their name, photo, and “confidence scores” that they are at home.« (Quelle u.a.: https://www.bmj.com/content/392/bmj.s168)

Zum Stichwort »Palantir« sei der heute veröffentlichte Digital-Podcast Neustart der ZEIT empfohlen; Lisa Hegemann, Leiterin des Digitalressorts, erklärt nicht nur, wie sich US-Behörden und ICE der Software bedienen, sondern auch, welche Rolle Palantir in Deutschland spielt.

* Allerhöchste Zeit also für geändertes Verhalten und einen Wechsel: Auf eigene Plattformen (so wie dieses Blog). Auf europäische Messenger wie beispielsweise Threema, zu Netzwerken wie Bluesky oder Mastodon.Ersteres funktioniert sehr ex-Twitter-like, leider auch mit allen Begleiterscheinungen, die mich seit Musks Übernahme von X dort zum Ausstieg brachten. Mastodon ein wenig hakelig, eine Frage der Gewohnheit, durchaus brauchbar. Wechseln empfiehlt sich auch zu Dateitransferdiensten wie Swisstransfer, das wie WeTransfer funktioniert, in der Basisversion kostenlos ist und darüber hinaus – im Gegensatz zu WeTransfer – die Daten seiner Nutzer*innen auch nicht zu Trainingszwecken für Künstliche Intelligenz verwendet.

* Die Liste europäischer Alternativen gibt es hier, sie wird kontinuierlich aktualisiert. Eine ganze Menge der aufgelisteten Alternativen nutze ich mittlerweile selbst, z.B. Libre Office – kann alles, was auch MS Office kann. DeepL für Übersetzungen, WERO als europäischen Bezahldienst, Threema als Messenger. Leider führt an manchen Dingen wie Betriebssystemen bislang kein oder kein brauchbarer Weg vorbei, ohne vorhandene Workflows etc. gründlich zu zerlegen oder im Fall von Smartphones viel Wichtiges, Digitales unmöglich zu machen. Das fängt bei ÖPNV-Tickets an, führt über Navigation bis zu Verwaltung von Krankenkassen etc. für unterstützungsbedürftige Angehörige – ohne Smartphone ist das mindestens anstrengend, mit Papierfluten verbunden und in vielen Fällen schlicht unmöglich.

* Schon ein wenig älter, in diesem Kontext allerdings sehr lesenswert: Das 2024 veröffentlichte Gutachten des Netzwerks Datenschutzexpertise »Ein Recht auf analoge Teilhabe – Freiheit vor Digitalzwang« (PDF), das sich mit praktischen und rechtlichen Aspekten der Thematik beschäftigt.

Viel Vergnügen – oder auch nicht – beim Lesen!

PS: Kleiner Nachtrag: Wer sich gepflegt der Illusion »Die Guten siegen immer und ballern die Bösen in Grund und Boden« hingeben möchte, dem sei neben einer Tüte Chips und einem Bier der gerade erschienene Film »The Wrecking Crew« mit Dave Bautista und Jason Momoa empfohlen. Leider bisher nur als Stream auf Amazon/Prime Video. Und bitte keine gehobene Unterhaltung erwarten, die beiden Herren ballern sich munter durch die Reihen ihrer Widersacher, ohne großen intellektuellen Anspruch zu erheben. Aber das ist ja bei James-Bond-Filmen, Marvel oder Batman auch nicht anders. 😉

 

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