Gartennotizbuch (01)

Nützlinge im naturnahen Garten: In großer Zahl sind dieses Jahr Marienkäferlarven bei der Arbeit – die kleinen Tierchen mit der auffälligen, schwarz-orangefarbenen Farbgebung vertilgen gefühlt kiloweise Blattläuse*. Was mich zu Beginn des Knospenaustriebs an meinen Rosen nervte, erledigt sich dank solcher fleißigen Helfer von selbst. Die ersten leeren Larvenhüllen sind an manchen Stellen zu finden, an vielen Blattunterseiten hängen Puppen der Marienkäfer, auch die ausgewachsenen Tiere machen sich mit großem Appetit über die zahlreichen Blattläuse her. Zwischen Kräutern, Salat und Rosen finden sie ausreichend Futter – und die naturnahe Gartenpflege ohne Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel klappt prima. Das entschädigt für die Mengen an Marienkäfern, die im Herbst schwärmen und bisweilen zur Plage werden: Sie sind gelegentlich – ebenso wie die Larven – bissig, die Käfer sondern bei Berührung eine gelbliche, stinkende Flüssigkeit ab.

 

Woran das zahlreiche Vorkommen der Marienkäferlarven liegt? An aufgehängten Nisthilfen für Käfer aus kleinen Tontöpfen mit Strohfüllung, die Feuerkäfern (bitte nicht mit Feuerwanzen verwechseln!), Ohrwürmern und Co. einen Unterschlupf bieten. Sie sind allesamt nützliche Helfer im Garten, denn zu ihrer Speisekarte gehören Blatt- und sonstige Läuse, Spinn- und Wollmilben. Dank  jahrelang aufgebauter Mulchschichten aus Laub, Rasenschnitt, Erde, Kompost und Stroh nimmt der Boden im Garten nicht nur Wasser auf und bleibt unter der schützenden Schicht lange feucht, sondern bietet auch allerhand Insekten dauerhaft eine Bleibe. Unter dem alten Kirschlorbeer ist mittlerweile im dritten Jahr ein Sandbienenvolk zuhause. Ansonsten herrscht in Beeten, unter Sträuchern und Bäumen ein munteres Gewimmel aus Steinläufern (eine europäische Tausendfüßlerart), Käfern, Asseln, Spinnen und anderen Nützlingen: Der Reisighaufen im ungenutzten Eck zwischen Eibenhecke und Birken ist eine Einladung für Igel, Bodenbrüter und vieles Krabbelgetier, dort geschützt zu überwintern. Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke, Zaunkönig, Gartenrotschwänze und diverse Meisenarten freut es, deren Nachwuchs wird grade flügge. Am frühen Morgen schaukeln kleine Federknäuel in den Rosen und an der Clematis, die Frühpatrouille macht die Runde und gönnt sich erst einmal ein ausgiebiges Frühstück. Der Oleander, der meist im Winter eingepackt draußen steht, hat deshalb seit Jahren keine Schildläuse mehr – das Werk der gefiederten Helfer, die als Putztruppe ausreichend leckeres Insektenfutter finden.

*Blattläuse lassen sich bei übermäßigem Befall auch giftfrei beseitigen: Milch und Wasser im Verhältnis 1:1 mischen und die befallenen Stellen damit einsprühen. Alternativ geht auch Salzwasser (die vegane Lösung sozusagen), Brennesselsud, stark verdünntes Neem-Öl oder milde Kernseifenlauge. Gegen Abend werden die Pflanzen damit eingesprüht, morgens kann (und sollte!) man kurz mit Wasser nachspülen.

Die Gartentipps stammen diesmal nicht von der preußischen Großmutter, sondern von der rheinhessischen Lieblingstante. Sie empfahl beispielsweise auch, um Tomatenpflanzen ein paar Knoblauchzehen zu stecken: Gegen weiße Fliegen, Trauermücken und Blattläuse hilft das ziemlich zuverlässig. Mehr Tipps gegen Blattläuse gibt es u.a. beim NABU und hier in einem Beitrag des NDR.